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Bildung bringt Not

Eine Glosse, entstanden im Mai 2010 für die Freie Journalistenschule Berlin, über die Einsparungen im Bildungssektor. Ich habe mich bemüht, sie zeitlos zu gestalten. (Note 1,0)

Seien wir doch ehrlich, keiner mag Bildung. Wer sie schon hat, fürchtet die wachsende Konkurrenz, wenn junges Blut aus den neuen Studiengängen kommt. Wer sie  nicht hat, schimpft auf die eingebildeten Schnösel, die sich für was Besseres halten und einem die Jobs wegnehmen. Doch abgesehen von diesen sehr subjektiven Meinungen, ist es nicht auch objektiv schlecht, in diesen Zeiten der chaotischen Börsen und  verwirrenden Politikern Menschen mit Geist in die Welt zu entlassen?

Menschen, die Übersicht über ihre Finanzen haben und begreifen, was an Derivaten schlecht ist,  werden kein neues Geld in den maroden Finanzmarkt pumpen. Wie soll der sich da erholen? Bürger, die verstehen, dass man in der Not vielleicht etwas Geld auf die hohe Kante legen sollten, werden nicht dem schwächelnden  Einzelhandel das Wenige vermachen, was die unsicheren Jobs im Kurzarbeits-Modus noch abwerfen. Und die Banken werden keine überteuerten Kredite mehr an Konsumenten mit glitzernden Augen verkaufen können, die mehr auf PS als IQ stehen.

Auch die Medien freuen sich über jeden Bürger, der sich den hohen Einschaltquoten ihrer  Daily Soaps anschließt, um sich seine freie Zeit mit schlecht getarnten Kaufempfehlungen zu vertreiben. Würde das Volk sich dieser Tatsache  bewusst, wieder wäre der Konsum gefährdet, die einzige Stütze, auf die unser Land noch bauen kann. Und geht es den Menschen selbst nicht sogar besser, wenn sie die Miseren nicht wahrnehmen, wenn sie nicht denken, es könnte einen  besseren Weg geben, wenn sie nicht auf die Straßen gehen müssen? Gelebte Demokratie  heißt doch auch, den nächsten Deutschen Superstar mitzubestimmen.

Am meisten profitieren jedoch die Politiker. Markige Sprüche, die nicht hinterfragt werden, lassen sich doch viel einfacher im Wahlkampf einsetzen, als durchdachte Strategien, die nicht den politischen Gegner, sondern die sozialen Probleme in Angriff nehmen. Und wer nicht weiß, dass die gewählten Vertreter sich um das Wohl des Volkes kümmern sollten, wird auch nicht merken, dass sich Kandidaten selbst zu Superpolitikern deklassieren. Und so haben einige der letzten gebildeten Spitzenpolitiker erkannt, dass Bildung nur die Not vergrößert. Sparen könne man von Kitas bis Unis - und im Hinterkopf war ihnen bestimmt schon klar, dass man dann zukünftig als Politiker noch weniger (Erklärungs-)Nöte hat.

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