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Keine Forschung ohne Grenzen

Kommentar, geschrieben Mitte Mai 2010 für die Freie Journalistenschule Berlin zum Thema Gentechnik und Craig Venters Eigenbau-Mikroben.

Die neueste Meldung von der Front der Genetiker kann einem Angst machen. Da wird von Mikroben berichtet, welche von Menschen geschaffen wurden und man fragt sich, wohin das in den nächsten zehn Jahren noch führen wird. Nicht zu Frankenstein und neuen Kunstgeschöpfen, so viel sei zur Beruhigung gesagt. Bisher wurde nur einem existierendem Bakterium ein neues Gen eingesetzt. Dieses hat sich ein Mensch ausgedacht hat und siehe da, es funktioniert. Vom grundlegend neu entworfenen Wesen sind wir noch weit entfernt.

Das heißt aber nicht, dass man den Forschern weiterhin freie Hand lassen soll. Mag ihr Ziel auch ein hehres sein, wie etwa die Umsetzung von Erdöl in leicht zu verarbeitendes Methan mit Hilfe gezüchteter Mikroben schon am Bohrloch, so ist die Menschheit nicht weit genug. Zum einen wissen die Genetiker nicht genug, um alle Folgen einer selbst entworfenen DNA abschätzen zu können. Im März 2007 erschien in der Zeitschrift "Spektrum der Wissenschaft"  ein Artikel mit dem Titel "Das heimliche Wirken der Pseudogene". 'Er beschreibt, wie Teile des menschlichen Genoms, welche vorher für bedeutungslos gehalten wurde, doch in den Aufbau des fertigen Menschen eingreifen. Vorsicht ist geboten, solange das Resultat nicht hundertprozentig vorhersehbar ist.

Des weiteren wird der Mensch selbst nicht mehr in der Forschung berücksichtigt. Alles wird nur noch der Wirtschaft unterworfen, oder dem hochgelobten Fortschritt. Wir sind als Rasse einer Evolution entsprungen, die sich in Millionen von Jahren genetisch auf die natürliche Umgebung eingespielt hat. Heute wird der Erfolg in der schnelllebigen Welt der Wissenschaft aber in Drittmitteln und Veröffentlichungen gemessen. Man forscht nicht mehr für den Menschen, sondern für ein System, welches beginnt für sich selbst zu existieren. Die DFG hat das erkannt und fördert nicht mehr nur Projekte mit vielen Veröffentlichungen. Diese Art von Umdenken muss in die ganze Forschungslandschaft einziehen. Vielleicht gibt es dann die nächste großartige Meldung der Genetiker erst in 100 Jahren wieder - aber wir Menschen wären bereit dafür.

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