Sie sind hier: Startseite News Dezentrale Energiespeicherung?
« Juni 2017 »
Juni
MoDiMiDoFrSaSo
1234
567891011
12131415161718
19202122232425
2627282930

  Werbung:

co2freier Webspace bei prosite.de

 

Dezentrale Energiespeicherung?

Hier finden sie meinen Beitrag zum Thema "Zukunft der Energie", welchen ich auch auf meinen Profil in der "Zeit" gepostet habe: viel Spass beim lesen, Kommentare ausdrücklich erwünscht.

Jeder Ameisenbau oder Bienenstock funktioniert hervorragend dezentral. Es gibt zwar noch eine Königin, die hat aber nicht mehr wirklich das Sagen. Wie viele Vorräte noch gesammelt werden müssen oder ob in den Krieg gezogen wird, alles wird von der Gemeinschaft einfacher aber autonomer "Untereinheiten" beschlossen. Jeder einzelne Arbeiter muss dabei dennoch fressen, schlafen und ein vollständiges Leben führen.

Unsere Energieversorgung ist dagegen ein Bündnis aus vier großen Tieren, die  eher schwerfällig  scheinen und sich nur um ihre eigene, vom Aussterben betroffene Rasse sorgen - das ein neues Kohlekraftwerk gebaut werden soll ist nur ein neuerliches Zeichen. Andererseits gibt es mit Grid-Computing, Car-Sharing und auch den sprießenden Solarpanelen und Windrädern in der modernen Gesellschaft Bestrebungen, gemeinsam und verteilt große Aufgaben zu meistern, oder einfach nur effizienter zu sein.

Die derzeitige Diskussion über erneuerbare Energie wird von ihren Gegnern gerne mit dem Thema "Grundlastversorgung" abgewürgt. Und tatsächlich wäre es heute nicht möglich, in Winternächten genügend Strom herzustellen. Eine Lösung sind bessere Stromnetze, die intelligent Leistung verteilen können und das verlustarm von der Sahara nach Norwegen um dort gespeichert werden zu können - so wird es jedenfalls derzeit propagiert. Wie wäre es stattdessen mit: von der Sahara zum Verbraucher?

Alle technischen Geräte erleiden durch die immer weiter fortschreitende Miniaturisierung der Bauteile große Volumenverluste - Designer jubeln und liefern oft immer schwerer zu bedienende Geräte. Auf der anderen Seite werden Akkus immer leistungsfähiger und die ersten E-Autos fahren schon 600 km am Stück. Was wäre, wenn jeder Toaster, jeder Kühlschrank, jeder Fernseher und alle anderen Haushaltsgeräte ihren eigenen Akku mitbrächten. Platz genug wäre ja. Bei Überschuss und billigem Strom wird er geladen, fehlt es gerade an Leistung im Stromnetz, liefert er noch sechs oder mehr Stunden Strom für sich, oder gar für das Netz.

Energieversorgung wird dadurch unheimlich flexibel, die Transportwege werden wieder kürzer. Dezentrale Energieversorgung, vom Verbraucher selbst geregelt wird ermöglicht und nicht die großen vier, sondern der Otto-Normal-Stromversorger hält die Industrie am Laufen. Sogar für die Netzbetreiber bleibt etwas vom Kuchen, denn der Transport und die intelligente Umverteilung des Stroms wird eine immer anspruchsvollere Aufgabe mit Profitmöglichkeiten. Jeder hilft unbewusst mit, immer ein großes Maß an Überschussenergie zu speichern. Die Geräte werden mobiler, und total utopisch: Die Forschung an Akkus wird gefördert, weil ein besserer Energiespeicher sich in Werbeprospekten gut vermarkten lässt.

Aber wieder ernsthaft. Heute reicht die Energiedichte moderner Akkumulatoren noch nicht aus, um mit einem einzigen Akku die Energie eines Solarpanels für dunkle Winternächte aufzubewahren. Um den Energiebedarf der Privathaushalte für einen Tag zu speichern, müsste man derzeit in jedem der etwa 40 Millionen Haushalte 50000 handelsübliche Handy-Akkus (1 Ah, 3.7 V) oder etwa 760 kg moderner Lithium-Ionen-Akkumulatoren einbauen. Verteilt auf viele Haushaltsgeräte und mit noch ein wenig Forschung ist dezentrale Energiespeicherung zusammen mit Energieeffizienz ein Konzept, welches ein intelligentes weltweites Stromnetz  um eine wichtige Komponente erweitert und schon heute planbar macht.

Artikelaktionen